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„Energiekrise hat Umdenken in der Beschaffung ausgelöst“

Interview mit Michael Koudelka
Der Energiemarkt hat sich strukturell verändert. Unternehmen brauchen daher bei der Beschaffung eine klare Risikostrategie, sagt Energieberater Michael Koudelka.

Fellbach (energate) – Das Energieberatungsunternehmen ECS Energiemakler aus dem baden-württembergischen Fellbach ist vor allem auf den Energieeinkauf von Betrieben und Gewerbeunternehmen spezialisiert. Mit energate sprach Geschäftsführer Michael Koudelka über die Lage am Energiehandelsmarkt nach der Krise und die aktuellen Herausforderungen bei der Beschaffung von Strom und Gas.

energate: Herr Koudelka, wie sieht es derzeit auf dem Energiehandelsmarkt, hat sich die Lage nach den Krisenjahren wieder beruhigt?

Koudelka: Die Großhandelspreise für Strom und Gas haben sich im Vergleich zu den extrem volatilen Krisenjahren 2022 und 2023 deutlich beruhigt. Wir beobachten eine Konsolidierung auf einem stabileren Niveau. Allerdings liegt dieses Niveau weiterhin merklich über dem Preisgefüge, das wir vor der Energiekrise kannten. Der Energiemarkt bleibt sensibel gegenüber externen Einflüssen. Witterung, geopolitische Ereignisse, politische Rahmenbedingungen und die Entwicklung der erneuerbaren Energien wirken unmittelbar auf die Preisbildung ein. So führen kalte Winter oder geringe Einspeisemengen aus Wind und Sonne schnell zu Preisspitzen, während milde Temperaturen oder ein hoher Füllstand der Gasspeicher die Märkte entlasten.

Wir sehen also eine gewisse Normalisierung – aber keine Rückkehr zur „alten Normalität“. Der Markt hat sich strukturell verändert. Die Energiepreise sind volatiler, und die Abhängigkeit von globalen Faktoren ist heute größer als je zuvor. Das erfordert von Gewerbekunden ein bewusstes und strategisches Energiemanagement, das über klassische Festpreisverträge hinausgeht.

energate: Vor welchen Herausforderungen stehen Gewerbekunden vor diesem Hintergrund bei der Beschaffung?

Koudelka: Die Energiekrise hat bei Gewerbekunden ein Umdenken in der Beschaffungsstrategie ausgelöst. Früher dominierten klassische Vollversorgungsverträge mit festen Preisen über die gesamte Laufzeit. Das war einfach, planbar – aber wenig flexibel. Heute erleben wir, dass immer mehr Unternehmen auf Tranchenmodelle, Portfoliomanagement oder strukturierte Beschaffung setzen. Diese Strategien erlauben es, Energieeinkäufe zeitlich zu streuen und so von günstigen Marktphasen zu profitieren. Gleichzeitig können Risiken durch festgelegte Korridore begrenzt werden.

Die größte Herausforderung ist und bleibt dabei die Planbarkeit: Energie ist längst kein Nebenthema mehr, sondern ein strategischer Kostenfaktor, der aktiv gesteuert werden muss. Unternehmen, die das erkannt haben, integrieren Energiebeschaffung zunehmend in ihre Finanz- und Geschäftsplanung. Das erfordert Fachwissen, Zeit und Marktverständnis – Ressourcen, die viele Betriebe nicht vollständig selbst abbilden können. Genau hier setzen wir, die ECS Energiemakler an.

energate: Was raten Sie denn Ihre Kunden mit Blick auf die gestiegene Volatilität im Markt?

Koudelka: In einem Marktumfeld mit hoher Preisschwankung ist es entscheidend, strukturiert und strategisch vorzugehen. Wir empfehlen daher eine klare Risikostrategie, also im Voraus festzulegen, in welchem Preisrahmen und zu welchen Mengen Energie beschafft werden soll. Zudem ist eine Teil- und Tranchenbeschaffung sinnvoll. Dabei werden, anstatt alles auf einen Zeitpunkt zu setzen, Einkäufe über einen längeren Zeitraum verteilt. Das senkt das Risiko, zu ungünstigen Konditionen einzukaufen. Vor diesem Hintergrund werden die Themen Marktbeobachtung und Reporting wichtiger. Denn nur ein kontinuierliches Monitoring von Preisentwicklungen, politischen Entscheidungen und Wettereinflüssen ermöglicht fundierte Entscheidungen.

Dafür braucht es auch die entsprechenden Tools, damit Unternehmen jederzeit den Überblick über Mengen, Preise und Risiken behalten. Unsere Erfahrung zeigt, Panikreaktionen auf kurzfristige Preisbewegungen führen selten zu optimalen Ergebnissen. Wer stattdessen auf eine klar definierte Strategie und professionelle Begleitung setzt, kann Preisspitzen abfedern und langfristig Wettbewerbsvorteile sichern.

energate: Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die eigene Erzeugung, um Preisrisiken abzufedern?

Koudelka: Ein zunehmend wichtiger Baustein moderner Energiekonzepte ist die eigene Stromerzeugung. Photovoltaikanlagen, Blockheizkraftwerke oder andere dezentrale Erzeugungsformen bieten Unternehmen erhebliche Vorteile. Denn sie reduzieren die Abhängigkeit vom Großmarkt, stärken die Planungssicherheit und bringen langfristige Kosteneinsparungen. Besonders effektiv ist die Kombination von Eigenstromerzeugung mit intelligentem Lastmanagement und Speichersystemen. Dadurch können Lastspitzen geglättet, Energieverbräuche optimiert und Netzbezugskosten gesenkt werden.

Wir beobachten, dass immer mehr Betriebe hybride Beschaffungsstrategien verfolgen: Ein Teil des Bedarfs wird über den Markt gedeckt, ein Teil über Eigenproduktion. Das schafft einen flexiblen und stabilen Energiemix, der nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch sinnvoll ist. Als Energiemakler begleiten wir Unternehmen dabei nicht nur bei der Marktbeschaffung, sondern auch bei der strategischen Einbindung eigener Erzeugungskapazitäten in ein ganzheitliches Energiekonzept.

Der Markt hat sich strukturell verändert. Die Energiepreise sind volatiler, und die Abhängigkeit von globalen Faktoren ist heute größer als je zuvor. Das erfordert von Gewerbekunden ein bewusstes und strategisches Energiemanagement, das über klassische Festpreisverträge hinausgeht.

Michael Koudelka